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Neue Indische Antarktisstation auf den Larsemann Hills

 

 

Was lange währt wird endlich gut. Nach mehr als zwei Jahren Akquisition und Vertragsverhandlungen hält die IMS-Ingenieurgesellschaft nun endlich den Vertrag für die Planungsarbeiten für die neue Indische Antarktisstation auf den „Larsemann Hills“ in den Händen.

 

Alles begann im Herbst 2006 mit dem Internationalen Entwurfswettbewerb des Indischen Antarktisinstitus „NCAOR“ für die Planungsarbeiten. IMS hatte gerade zusammen mit ihrem Partner m+p consulting aus Braunschweig die Planungen für die derzeit im Bau befindliche neue deutsche Antarktisstation „Neumayer III“ abgeschlossen und wurde daher aufgefordert, sich am Wettbewerb zusammen mit weltweit namhaften Ingenieurbüros wie Poles Apart, Großbritannien, Faber Maunsell, Großbritannien, Sinclair Knights Merz, Australien, Ferraro Choi And Associates Ltd. USA zu beteiligen.

Innerhalb von nur zwei Monaten wurde der Wettbewerbsentwurf unter Federführung von IMS mit den Partnern m+p consulting für die Haustechnik und bof-architekten, Hamburg, für die architektonische Gestaltung entwickelt und eingereicht. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der deutschen Station „Neumayer III“ ist die indische Station ebenfalls als zweigeschossiges Gebäude aus vorgefertigten Containern konzipiert.

Gegen die eisigen Winde wird die Station mit einer aerodynamisch geformten Hülle aus hochisolierenden Sandwichelementen geschützt. Damit sie nicht einschneit, steht sie auf Stelzen, sodass der Schnee unter ihr weggeblasen werden kann. Um die antarktischen Winter zu überstehen, soll die Station den Wissenschaftlern jeden Komfort bieten, sogar ein Gebetsraum und ein Kino sind mit geplant, und die großen Fenster sollen gegen das Eingesperrtsein helfen. Die Haustechnik muss die lebenswichtigen Einrichtungen wie Energieversorgung, Meerwasserentsalzung, das Hospital, die Küche, die Abwasseraufbereitung sicher versorgen. Hilfe von außen ist im Winter nicht möglich. Und natürlich muss alle Technik mit Rücksicht auf das empfindliche Ökosystem der Antarktis den neuesten Umweltanforderungen entsprechen.

Während bei der deutschen Station die Gründung auf dem fließenden Gletschereis und das jährliche Anheben des gesamten Gebäudes, damit es nicht in den Schnee versinkt, die größten technischen Anforderungen waren, sind es bei der indischen Station nun die Widrigkeiten des Bauortes. Bei den Larsemann Hills handelt es sich um nackte Felsinseln im antarktischen Eismeer ähnlich wie die Schären vor der schwedischen Küste. Um die Station bauen zu können, müssen vorher wahrscheinlich erst einmal ein Schiffsanleger und Wege gebaut werden, um die Steilküste zu überwinden, oder alle Einzelteile und auch die Baumaschinen müssen mit Hubschraubern vom Schiff auf das Land geflogen werden.

Überhaupt wird bei dieser Planung die die Herstellung der Station als Vorfertigung, vielleicht in Indien, und der Aufbau in der Antarktis die große Herausforderung werden. Alles muss bedacht werden, in der Antarktis gibt es keinen Baumarkt, in dem man fehlende Ersatzteile nachbestellen kann. Vor Ort muss alles wie am Schnürchen laufen, die Bauzeit ist verdammt kurz. Nur drei Monate dauert die Saison, danach beginnt die antarktische Winternacht und das Meer friert zu.

Im Februar 2007 kam dann ein Brief aus Indien, in dem lapidar erklärt wurde „Der Entwurf der IMS Ingenieurgesellschaft wurde von der Expertenkommission für die neue Indische Antarktisstation empfohlen. ... bitte geben Sie Ihre Bankverbindung für die 1000 US$ Wettbewerbsprämie an“.

„Geschafft!“, dachten die Ingenieure von IMS, m+p und bof, „jetzt kann es losgehen“. Aber Indien ist nicht Deutschland. Bis sie den Vertrag heute in den Händen halten konnten, waren noch zwei Reisen nach Goa, dem Sitz des Indischen Antarktisinstitus und zum Indischen Forschungsministerium in New Delhi erforderlich. Bei den Vertragsverhandlungen wurde IMS durch eine deutsch-indische Anwaltskanzlei unterstützt.

Aber jetzt soll es mit Macht losgehen. Anfang Januar 2009 ist die nächste Expedition zur Datensammlung in die Antarktis von Kapstadt aus gestartet, mit einem Kollegen von IMS an Bord.

Dr. Peter Ruland